Feeling Faust

Goethe widmete fast seine komplette Lebenszeit der Dichtung des Faust-Stoffes und er hat es geschafft: Mit Faust hat er deutsche Kulturgeschichte geschrieben und prophetisch vorausgeahnt, wohin menschlicher Ehrgeiz und Erkenntnissucht führen. Auf seiner Reise mit Mephisto – erst durch die kleine, dann durch die große Welt –hinterlässt Faust fortwährend verbrannte Erde. Das faustische Streben mit seinem Glauben an Wissenschaft, Technik und moderne Mobilitätsideale galt lange Zeit als Vorbild. ‚Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen‘, so heißt es in Faust II. Im 21. Jahrhundert angekommen, schauen wir auf eine vermeintliche Erfolgsgeschichte faustischen, männlichen Fortschritt- und Machtstrebens zurück. Das, was Goethe in Faust exemplarisch angelegt hat, haben wir längst überschritten. Doch ist die Geschichte nicht mehr optimistisch zu lesen. Wir stehen vor einer ungewissen Zukunft und dies könnte der kälteste Sommer unseres Lebens gewesen sein. Im Zuge menschlicher Ausbeutung aller natürlichen Ressourcen und der immensen Bedrohung durch den Klimawandel kommen das faustische Streben und der deutsche Mythos FAUST an ihre Grenzen. ‚Das Ewig-Weibliche zieht uns hinan‘, das sind die letzten, erlösenden, utopisch anmutenden Worte in Faust II. Hat das Patriarchat ausgedient oder wo zieht es uns hin? Claudia Bossard und ihr Team entwerfen eine feministische Sicht auf den Faust-Stoff.

Datum: Samstag 26.11.2022
Ort: Münchner Volkstheater
Uhrzeit: 19:30